Historische Abbildung zum Buchdruck
28.02.2020 | 4 bis 5 Minuten Lesezeit

Der geschichtsträchtige Buchdruck

Der von Johannes Gutenberg um 1440 in Mainz entwickelte Buchdruck mit beweglichen Lettern ist eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheit. Der moderne Buchdruck steht nicht nur für eine beachtliche technische Weiterentwicklung, sondern auch für die gesellschaftlichen Umwälzungen am Ende des Mittelalters auf dem Weg in die Neuzeit. Erfahren Sie hier mehr zur Geschichte des Buchdrucks und über die Besonderheiten des Buchdruck-Verfahrens.

Der Buchdruck – eine der bedeutendsten Errungenschaften der Menschheit

Nicht nur aus technischer Sicht markiert die Erfindung des Buchdrucks einen Wendepunkt. Die großflächige Verbreitung von Schrifterzeugnissen, die damit erstmals möglich wurde, geht Hand in Hand mit der gesellschaftlichen Entwicklung am Ende des Mittelalters. Wissenschaftliche und philosophische Erkenntnisse konnten erst mithilfe des Buchdruck-Verfahrens weithin publik gemacht werden. Der Buchdruck steht daher auch für die zunehmende Verbreitung von Wissen und Bildung am Ende einer Epoche, die stark klerikal geprägt war und den Menschen nicht als selbstständig denkendes Individuum wertschätzte. Auf der Grundlage antiker Vordenker konnten sich in der Renaissance – auch mithilfe des Buchdrucks – völlig neue Erkenntnisse und Denkweisen durchsetzen. Der Buchdruck nahm damit Einfluss auf alle Lebensbereiche und wird heute als eine der bedeutendsten Leistungen der Menschheit gesehen.

Geschichte und Entstehung des Buchdrucks

Die Erfindung des Buchdrucks – besser gesagt die der Serienfertigung beweglicher Lettern, die dafür verwendet werden – markiert den Durchbruch für die Verbreitung des gedruckten Wortes. Zwar fanden im Altertum bereits in Rom, Babylon und Ostasien unterschiedliche Druckverfahren Anwendung, doch erst die Entwicklung des Mainzer Goldschmieds Johannes Gensfleisch zum Hofe Gutenberg, genannt Johannes Gutenberg, markiert den eigentlichen Durchbruch. Seine Erfindung beruht auf der seriellen Fertigung von Metalllettern, die mithilfe einer Matrize und eines Handgießgeräts beliebig vervielfältigt werden konnten. Nach langjährigen Experimenten stellte er im Jahr 1440 erstmals ein Drucksystem zur Vervielfältigung von Texten mit beweglichen Lettern aus Metall vor.

Der Mainzer Kaufmann Johann Fust unterstützte Gutenberg in der Entwicklung seiner bahnbrechenden Erfindung. Er gewährte ihm mehrfach Kredite zum Auf- und Ausbau der Gutenbergschen Druckwerkstatt. Nach einem Rechtsstreit mit Fust musste Gutenberg seine Werkstatt und den Lagerbestand an seinen Kreditgeber abtreten. Dieser führte die Druckerei nach dem Ausscheiden Gutenbergs zusammen mit dessen fachkundigem Mitarbeiter Peter Schöffer weiter.

Mit seiner Erfindung legte Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts den Grundstein für die massenhafte Produktion von Schrifterzeugnissen. Zusammen mit der Reformation markiert der Buchdruck eine vollkommen neue Auseinandersetzung mit Sprache, sowohl in Schriftform als auch als gesprochenes Wort. Erstmals konnten Schriftstücke im großen Stil buchstäblich „unters Volk“ gebracht werden, was letztlich auch einen wichtigen Beitrag zur zunehmenden Alphabetisierung der Gesellschaft und damit der Verbreitung von Bildung leistete.

Die Verbreitung des Buchdrucks

Abbildung einer modernen DruckpresseAbbildung einer modernen Druckpresse
Gutenbergs Erfindung breitete sich von Mainz aus langsam weiter im europäischen Raum aus: So gab es im Jahr 1470 Überlieferungen zufolge bereits 17 Druckereien, 1490 waren es über 200 und um 1500 befanden sich von den bekannten 252 Druckorten europaweit allein 62 im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Gedruckt wurden nicht nur Bücher, sondern auch kleinere Texte, Flugblätter, Bekanntmachungen oder Kalendarien. Im 16. Jahrhundert machte allein der Druck der Lutherschen Schriften rund ein Drittel der gesamten Auflage der Druckereien aus. Im Zuge der Reformation konnte man dank des Buchdrucks nicht nur Luthers Bibelübersetzung in deutscher Sprache, sondern auch zahlreiche weitere Schriften verbreiten, die zu einer verstärkten Hinwendung zu Bildung und Aufklärung führten.

Das für den Gutenbergschen Buchdruck charakteristische Setzverfahren, bei dem die Lettern einzeln von Hand gesetzt werden, war bis Ende des 19. Jahrhunderts eine der gängigsten Drucktechniken. Ersetzt wurde sie von sogenannten Setzmaschinen wie der Linotype-Setzmaschine im Jahr 1886, die den Druck von Büchern, Zeitungen und anderen Schrifterzeugnissen erneut nachhaltig verändern sollte.

Definition des Buchdrucks

Die Bezeichnung Buchdruck ist nicht zwingend gleichbedeutend mit dem Druck von Büchern, sondern steht heute für ein bestimmtes Druckverfahren. Unter dem klassischen Buchdruck nach Gutenberg versteht man ein sogenanntes Hochdruckverfahren, bei dem die zu druckenden Elemente der Druckform erhaben sind und damit geringfügig aus der Form „herausstehen“.

Wie funktioniert das Buchdruck-Druckverfahren?

Gutenbergs Erfindung bestand darin, eine beliebig reproduzierbare Druckvorlage aus einzelnen, beweglichen Lettern zusammenzusetzen. Die einzelnen Lettern wurden aus einer Legierung unterschiedlicher Metalle hergestellt, darunter Blei, Zinn, Antimon und Wismut. Anfangs fertigte man dafür von jedem Zeichen des Alphabets eine sogenannte Patrize – eine seitenverkehrte, erhabene Schablone aus Metall. Diese wurde anschließend in eine vertiefte Negativform aus Kupfer eingeschlagen. Mithilfe der so entstandenen Matrize ließen sich die einzelnen Lettern dann beliebig vervielfältigen, indem die flüssige Metalllegierung eingegossen wurde. Die fertigen Lettern konnten nach dem Erkalten auf dieselbe Länge gebracht und in Setzkästen einsortiert werden. Diese immer wieder neu und beliebig bestückbaren Setzkästen ermöglichten schließlich die serielle Vervielfältigung von Druckerzeugnissen und garantierten ein gleichmäßiges, ordentlich „gesetztes“ Ergebnis. Das erste Buch, das mit dem auf diese Weise durchgeführten Buchdruck-Verfahren gedruckt wurde, war die „Biblia latina“, die sogenannte Gutenberg-Bibel. Sie wurde im Jahr 1454 fertiggestellt und verfügt über einen 42-zeiligen Seitenaufbau (bekannt auch unter der Bezeichnung B42).

Da die Farbe beim Buchdruck-Verfahren direkt, also nicht wie beispielsweise beim Offsetdruck über ein weiteres Trägermedium, auf das Papier übertragen wird, spricht man von einem direkten Druckverfahren. Das moderne Offsetverfahren ist heute das am häufigsten eingesetzte Verfahren, es kommt zum Beispiel beim Druck von Flyern, Broschüren oder Kalendern zum Einsatz.

Das sind die Vor- und Nachteile des Buchdruck-Verfahrens

Bücher werden heutzutage kaum noch im ursprünglichen Buchdruck-Druckverfahren produziert. Stattdessen kommt hierfür meist der sogenannte Offsetdruck oder der Digitaldruck zum Einsatz. Anwendung findet der traditionelle Buchdruck hauptsächlich noch im Rahmen von künstlerisch ambitionierten Werken in Klein- oder Kleinstauflage – wenn beispielsweise das Druckverfahren als solches Teil des künstlerischen Konzepts ist und durch die eher handwerkliche Fertigung eine bestimmte Ästhetik erzielt werden soll. Grund dafür, dass das Buchdruck-Verfahren heute nur noch selten Anwendung findet, sind diese entscheidenden Nachteile des Buchdrucks:
  • Die Vorarbeit, die für die Fertigung der zum Drucken zu verwendenden Druckform geleistet werden muss, bedeutet einen immensen Zeit- und Kostenaufwand verglichen mit anderen Druckverfahren wie Offset- oder Digitaldruck.
  • Die mechanische Beanspruchung des Papiers durch eine Druckpresse kann für ein beeinträchtigtes Erscheinungsbild der gedruckten Schrift sorgen.
  • Durch die hohe mechanische Belastung können die Lettern durch das Papier drücken und auf der Rückseite ein ungewünschtes Schriftrelief bilden.

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